Unser Konzept

1. Organisation der Freien aktiven Schule am Niederrhein (Fasan)
1.1 Ersatzschule

Der Fasan ist eine staatlich genehmigte Ersatzschule und entspricht der Schulform „Grundschule“ des öffentlichen Schulwesens. Er bietet grundsätzlich die gleichen Unterrichtsinhalte wie öffentliche Schulen an und ist berechtigt, nach eigenen Lehr- und Erziehungsmethoden zu arbeiten. Kinder, die den Fasan besuchen, erfüllen die Schulpflicht.

Mit der Genehmigung hat die Schule das Recht, mit gleicher Wirkung wie öffentliche Schulen Zeugnisse auszustellen und unter Vorsitz einer staatlichen Prüfungsleitung Prüfungen abzuhalten. Zeugnisse am Fasan sind Dokumentationen des individuellen Entwicklungsstandes jedes einzelnen Kindes und verzichten auf jegliche Form von Bewertung - mit Ausnahme von Zeugnissen, mit denen eine Berechtigung oder eine Empfehlung verknüpft ist (also Schulabschlüsse, Empfehlungen für eine weiterführende Schulform) oder beim Verlassen der Schule.

Der Fasan ist als halbzügige jahrgangsübergreifende Schule organisiert und versteht sich als Schule für alle Kinder. Für die Beschulung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf muss die Schule jeden Förderschwerpunkt beim Ministerium beantragen. Die Entscheidung, welche Schwerpunkte der sonderpädagogischen Förderung an der Schule umgesetzt werden sollen, ist noch nicht getroffen.

Geplant ist, die Schule bis zur Klasse 13 auszubauen, sodass alle Schulabschlüsse am Fasan möglich sind.

1.2 Tagesablauf

Von 7.45 Uhr bis 8.45 Uhr können die Kinder ankommen. Ab 8.45 Uhr sollen alle Kinderin der Schule sein. Abholzeit ist von 13.15 – 14.00 Uhr.

Der Schultag gliedert sich in zwei Lernzeiten, die durch eine 45minütige Frühstückspause unterteilt sind. Grundsätzlich ist jedes Kind völlig frei, seinen Schultag gemäß seiner Interessen und Bedürfnisse zu gestalten. Das Wahrnehmen fachlicher Unterrichtsangebote sowie die Teilnahme an Projekten, an der Gemeinschaftszeit und der Vollversammlung sind freiwillig, aber verbindlich für den Zeitraum des Angebotes, wenn ein Kind sich dafür angemeldet hat.

1.3 Vernetzung
Der Fasan ist Mitglied im Bund Freier Alternativschulen (BFAS). Der Austausch mit Konzepten und Erfahrungen anderer Freien Schulen bereichert und unterstützt die eigene Schulentwicklung.

2. Pädagogisches Konzept

Die pädagogische Konzept am Fasan leitet sich weitgehend aus der Pädagogik Maria Montessoris und den Ansätzen der nicht-direktiven Erziehung von Rebeca und Mauricio Wild ab und bezieht Erkenntnisse der Neurowissenschaftlichen Forschung im Bereich der Lernforschung ein.

Dementsprechend liegt unserem Konzept eine Haltung der Achtsamkeit und des Respekts für jedes Kind mit seinen individuellen Fähigkeiten, Bedürfnissen und Interessen zugrunde.

2.1 Grundsätze zu den o.g. Ansätzen am Fasan

Unser grundsätzliches Anliegen ist es, unsere Schule als individualisierte Gemeinschaft zu entwickeln, in der jedes Kind den größtmöglichen Freiraum und bestmögliche Anregungen zur Entfaltung seines individuellen Potentials vorfindet. Die schulische Gemeinschaft soll dabei ein Höchstmaß an Verbundenheit, Sicherheit und Geborgenheit bieten.

Daher

  • sind wir an jedem Kind als eigenständige Persönlichkeit interessiert und möchten zu ihm eine vertrauensvolle, tragfähige Beziehung entwickeln.
  • orientieren wir uns in unserer Arbeit am einzelnen Kind und seinen authentischen (Lern)Bedürfnissen.
  • begleiten wir jedes Kind aufmerksam und nicht-direktiv in seiner Entwicklung.
  • unterstützen wir jedes Kind dabei, selbständig zu denken und zu handeln und seinen freien Willen zu entwickeln, den wir respektieren.
  • ermutigen wir jedes Kind, Schwierigkeiten zu überwinden, statt ihnen auszuweichen, dabei auf seine Stärken zu vertrauen und mehr und mehr die Verantwortung für sich und die Gemeinschaft zu übernehmen.
  • stellen wir den Kindern eine anregende Lernumgebung zur Verfügung, die geeignet ist, ihnen den notwendigen Raum zu geben.
  • übernehmen wir die Verantwortung für die Beachtung der natürlichen Grenzen, die jede Lebenssituation in sich trägt, und definieren gemeinsam mit den Kindern die Grenzen, die im Sinne des Gemeinwohls einzuhalten sind, damit jeder sich in einer von Respekt, Sicherheit und Verbundenheit geprägten Lernumgebung fei entfalten kann.

2.2 Umsetzung der Grundsätze

Entsprechend der o.g. Grundsätze bieten wir den Kindern eine Vielzahl an Lern-, Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten, mit denen wir ihnen im selbstbestimmten Lernen den Erwerb der durch die Kernlehrpläne vorgeschriebenen Kompetenzen, das Lernen an selbstgewählten Themen ebenso wie die Übernahme von Verantwortung für sich und die Gemeinschaft ermöglichen:

  • Im Bereich der Grundlagenkompetenzen (Lesen, Schreiben, Rechnen, Englisch) stellen wir den Kindern eine vorbereitet Lernumgebung - u.a. mit Montessori-Materialien - zur Verfügung, die eigenständiges, begreifendes Lernen im eigenen Tempo und nach eigenen Schwerpunkten ermöglicht. Die Lernbegleiter bieten den Kindern zu diesen Grundlagenkompetenzen fachlichen Unterricht an, für den sie sich für die Dauer der Unterrichtsreihe verbindlich anmelden können.
  • Die Bereiche des Sach-, Musik- und Kunstunterrichts vernetzen wir soweit wie möglich in Projekt- und Werkstattangeboten, in die wir nach Möglichkeit auch Englisch- und Religionsunterricht einbinden. Die Kinder können in die Angebote hineinschnuppern und dann entscheiden, ob sie sich für die Dauer des Projekts/des Themas verbindlich dazu anmelden möchten. Englisch wird neben den Unterrichtsangeboten immersiv unterrichtet, d.h., die Kinder werden durch eine ausschließlich englisch sprechende Person in ein fremdsprachiges Umfeld versetzt in dem sie beiläufig die fremde Sprache erwerben.
  • Für von den Kindern nach individuellem Interesse gewählte Themen stellen wir soweit wie möglich kindgerechtes Material zur Verfügung und unterstützen die Kinder bei der eigenen Recherche und Umsetzung.
  • Wir begleiten die (Lern)Entwicklung der Kinder im Dialog mit ihnen und den Erziehungsberechtigten in regelmäßigen Lernentwicklungs- und Eltern-Lehrer-Kind-Gesprächen und entwickeln dafür geeignete Instrumente.
  • Die wöchentliche Vollversammlung ist zentrales Element der gemeinschaftlichen Kommunikation und Entscheidungsfindung. Alle Kinder können sich mit ihren Vorschlägen und Meinungen einbringen. Geleitet wird die Versammlung von gewählten Kindern. Die Teilnahme ist freiwillig, der ungestörte Ablauf ist genauso zu respektieren wie die Möglichkeit des ungestörten Lernens, Forschens, Gestalten und Spielens für jedes Kind.
  • Beim Umgang mit Regelverstößen und Grenzüberschreitungen orientieren wir uns am Ansatz der „Neuen Autorität“, üben also keine Macht aus durch Strafen oder Drohungen, arbeiten nicht mit „Verstärkerplänen“ oder Belobigungen, sondern weisen regelverletzendes und grenzüberschreitendes Verhalten entschieden und beharrlich zurück. Dabei übernehmen wir gleichermaßen die Verantwortung für die Sicherheit aller und das Aufrechterhalten der Beziehung zum Kind. Konsequenzen sollen einen nachvollziehbaren Zusammenhang ausweisen.

3. Die Rolle der Lernbegleiter
Entsprechend der o.g. Grundsätze und ihrer Umsetzung besteht die Rolle der Lernbegleiter am Fasan vor allem darin, jedes Kind in seiner Individualität wahr- und anzunehmen und ihm im Rahmen einer Sicherheit, Orientierung und Akzeptanz gebenden Gemeinschaft die bestmögliche Entwicklung zu ermöglichen.

Daher sind sie dafür verantwortlich

  • zu jedem Kind eine vertrauensvolle und tragfähige Beziehung aufzubauen.
  • die Bedürfnisse und Interessen der Kinder aufmerksam wahrzunehmen und zu berücksichtigen.
  • eine strukturierte, anregende Lernumgebung zu schaffen, die den Kindern Lernen in ihrem Tempo, nach ihren Interessen und Entscheidungen ermöglicht.
  • die schulische Gemeinschaft so zu entwickeln, dass eine Atmosphäre von Sicherheit und Verbundenheit entsteht.
  • Lernbegleitung, Entwicklungsdokumentation und Schullaufbahnentscheidungen im Dialog mit den Kindern und Eltern transparent zu gestalten.

4. Die Rolle der Erziehungsberechtigten
Erziehungsberechtigte, die ihr Kind am Fasan anmelden, verpflichten sich dazu

  • die pädagogische Grundhaltung der Schule mitzutragen und in deren Sinne vertrauensvoll mit dem Träger und den Lernbegleitern zusammenzuarbeiten.
  • Verantwortung für die Gestaltung der schulischen Gemeinschaft zu übernehmen.
  • verbindlich an den Eltern-Lehrer-Kind-Gesprächen, Elternabenden und Schulveranstaltungen teilzunehmen.
  • sich aktiv in einer der vom Träger eingerichteten Arbeitsgruppen zu engagieren.

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